Kontakt
Die Konzernkommunikation erreichen Sie unter:
02 03/6 04-25 00
02 03/6 04-33 64
medienservice@dvv.de
Download
Diese Pressemeldung als PDF (233 KB) herunterladen.
Globaler Energiemarkt diktiert lokale Preise: Stadtwerke Duisburg AG muss Gaspreise zum 1. Oktober erhöhen
(Duisburg, 18.08.08)
Die Entwicklung auf dem globalen Energiemarkt hat Auswirkungen auf die Beschaffungskosten für Erdgas: Diesem fortlaufenden Trend kann sich die Stadtwerke Duisburg AG nicht entziehen und muss daher zum 1. Oktober den Preis für eine Kilowattstunde Erdgas um rund 14 Prozent anheben. Das Energieversorgungsunternehmen reagiert damit, wie viele andere Gasversorger, auf die gestiegenen Einkaufspreise.
Die Preise für Erdgas orientieren sich seit Jahrzehnten an der Ölnotierung. Die Kosten für Gas folgen dem Ölpreis mit einem halben Jahr Verzögerung. Die Anpassung zum 1. Oktober geht damit auf die April-Werte zurück. Zu diesem Zeitpunkt lag die Notierung bei rund 116 Dollar pro Barrel. "Wir können die daraus resultierenden Kostensteigerungen leider nicht auffangen", sagt Johannes Gösling, Leiter Vertrieb der Stadtwerke Duisburg AG. "Unser Unternehmen gibt nur die gestiegenen Beschaffungspreise weiter, wir verdienen durch die Preiserhöhung keinen Cent mehr." So bleibt der Grundpreis für die Erdgas-Lieferung stabil.
Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden verteuert sich das Heizen mit Erdgas um 1,07 Cent pro Kilowattstunde. Dies entspricht einer monatlichen Mehrbelastung von rund 18 Euro.
Keine lokale Entwicklung
Fast alle Gasversorger haben in den vergangenen Monaten höhere Beschaffungskosten an die Kunden weitergeben müssen. Da nur rund 15 Prozent des Erdgasbedarfs aus einheimischen Quellen gedeckt werden kann, diktiert der weltweite Energiemarkt auch lokale Preisentwicklungen. So werden die Erdgaspreise auf dem Weltmarkt beispielsweise von den stark wachsenden Volkswirtschaften in China und Indien bestimmt. Aber auch die Entwicklung in politisch instabilen Regionen hat maßgeblichen Einfluss auf die Energiebranche.
"Die Lösung kann nicht lauten, auf Preissteigerungen zu verzichten", beschreibt Johannes Gösling das Dilemma. "Die zusätzliche Kostenbelastung würde sonst von den übrigen Kunden mitgetragen werden müssen." Um den Gaskunden dennoch eine Alternative anbieten zu können, haben die Stadtwerke Duisburg erneut ein Festpreisangebot entwickelt. "Hier wird das Preisentwicklungsrisiko geteilt", erläutert Gösling das entsprechende Modell. Der Kunde zahlt auf seinen bestehenden Erdgas-Liefervertrag (PartnerErdgas Casa oder PartnerErdgas Classic) einen Risikoaufschlag von rund 0,3 Cent pro Kilowattstunde. Steigt der Gaspreis über den Aufschlag, profitiert der Kunde von der auf ein Jahr garantierten Preisbindung (PartnerErdgas Fix).
Gösling: "Der Fix-Tarif bietet Planungssicherheit, der Preis bleibt für mindestens ein Jahr konstant. Die Festpreisangebote, die wir im Oktober 2007 und im Februar 2008 ausgelegt haben, wurden von unseren Kunden sehr gut angenommen. Von 80.000 Kunden nutzen inzwischen mehr als 10.000 Kunden den Erdgas-Fix-Tarif."
Hintergrund:
CO2 Erdgas ist der fossile Energieträger mit den geringsten CO2-Emissionen. Es verbrennt fast ohne Rückstände und weist im Vergleich zu anderen Brennstoffen deutlich niedrigere Emissionswerte an Schwefeldioxid und Kohlenwasserstoff auf.
Erdgasnetz
In Deutschland werden rund 20 Millionen Haushalte mit Erdgas beliefert. Das Erdgasnetz der Stadtwerke Duisburg Netz GmbH ist rund 1.350 Kilometer lang. Zirka 80.000 Duisburger Kunden werden durch diese Leitungen überwiegend mit Erdgas aus Russland bedient. Die Einspeisung in das lokale Netz erfolgt in drei Gasübernahmestationen in Beeck, Obermeiderich und Wanheim. Erdgas ist in seiner ursprünglichen Form farb- und geruchlos. In den Übergabestationen wird dem Gas jedoch der Riechstoff Tetrahydrothiopen beigemischt, so dass eventuelle Leckagen "olfaktorisch", also über den Geruchssinn, erkannt werden können.
Ölpreis
Der Ölpreis unterliegt einer hohen "Volatilität" und wird stark von der geopolitischen Lage diktiert. Momentan sind folgende Einflussfaktoren maßgeblich für die zukünftigen Energiepreise:
- Zukünftige Entwicklung der weltweiten Nachfrage, insbesondere in den Ländern China und Indien.
- Zukünftige Entwicklung der weltweiten Produktion und der Verarbeitungskapazitäten (Raffinierien).
- Verfügbarkeit von Transportkapazitäten sowie Entwicklung der entsprechenden Kosten.
- Weitere Entwicklung in den politischen Problem- und Krisengebieten, insbesondere in Nigeria, Iran, Irak, Afghanistan und Venezuela.
- Einfluss der noch zu erwartenden Hurricanes an der US-amerikanischen Golfküste auf die Ölförderplattformen im Golf von Mexico und auf die Ölverarbeitungsanlagen am Festland in Florida und Louisiana.
Ölpreisbindung
Die Ölpreisbindung ist nicht gesetzlich verankert, sondern geht auf eine internationale Vereinbarung der Energiebranche aus den 60er-Jahren zurück. Wegen der Entwicklung am Ölmarkt, wurde in den vergangenen Monaten mehrfach der Ruf laut, die Ölpreisbindung abzuschaffen. Dabei überwiegen die Vorteile einer Kopplung an das Öl: Erdgas kommt als Naturprodukt nur in wenigen Ländern vor, überwiegend in Russland, Norwegen und in den Niederlanden. Deutschland ist derzeit zu rund 85 Prozent auf Erdgasimporte aus dem Ausland angewiesen. Die Ölpreisbindung beschränkt das Angebotsoligopol der Erdgasproduzenten, die sonst die Erdgaspreise fast beliebig diktieren könnten. Die Ölpreisbindung wirkt damit auch als Schutzmechanismus.
Staatliche Abgaben
Die steigenden Beschaffungskosten sind nur ein Preisfaktor für deutschen Erdgaspreis. Dieser wird auch durch den Staat deutlich bestimmt: Fast 30 Prozent des Erdgaspreises fließen an direkt den Staat - über unterschiedliche Steuern und Abgaben. In Deutschland tragen die Stadtwerke den geringsten Anteil zum Endverbraucherpreis bei. Der Versorger enthält von jedem Euro auf der Rechnung nur vier Cent. Die staatliche Belastung von Privathaushalten hat sich von 1990 bis heute hingegen verdreifacht.
Unbundling / Netznutzungsentgelte
Das Energiewirtschaftsgesetz EnWG regelt die Entflechtung von Energieunternehmen ("Unbundling") sowie den vereinfachten Netzzugang. So wurden größere Energieversorgungsunternehmen beispielsweise verpflichtet, rechtlich selbständige Netzunternehmen zu gründen. Durch diese Entflechtung wird ausgeschlossen, dass Erdgasversorger, die über ein eigenes Leitungsnetz verfügen, ihre Erdgasmengen zu bevorzugten Konditionen durch das eigene Netz leiten können. Das Versorgungsnetz im Duisburger Stadtgebiet wird daher von der Stadtwerke Duisburg Netz GmbH betrieben. Wettbewerbsunternehmen können dadurch gleichberechtigt das lokale Energieversorgungsnetz nutzen. Die Bundesnetzagentur genehmigt und überwacht die Netznutzungsentgelte.


