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Stadtwerke Duisburg AG muss die Wasserförderung an rückläufige Verbrauchsmengen anpassen
(Duisburg, 22.10.10)
Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Duisburg und sinkender Verbrauchsmengen von Industrie und Haushalten muss die Stadtwerke Duisburg AG ein neues Trinkwasserversorgungskonzept umsetzen.
Neben einer Anpassung der Förderleistung auf Duisburger Gebiet, soll Anfang nächsten Jahres im Wasserwerk Bockum die Förderung von derzeit jährlich rund neun Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr auf etwa drei Millionen Kubikmeter verringert werden. Angesichts der durch die demografische Entwicklung entstehenden Überkapazitäten im Bereich der eigenen Wasserwerke prüft das Versorgungsunternehmen, ob der Betrieb des Wasserwerks Bockum auf lange Sicht eingestellt werden muss. Da die Trinkwassergewinnung in Bockum mittels Grundwasserbrunnen erfolgt, hat die geplante Reduzierung Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel, insbesondere in Düsseldorf-Angermund und Duisburg-Rahm.
Bereits im Jahr 2003 wurde der Einfluss der Wasserförderung auf die Grundwasserstände in einer Studie der Stadt Düsseldorf betrachtet. Zugrunde gelegt wurde in der Simulation jedoch die komplette Schließung der Wasserwerke in Wittlaer und Bockum, so dass die Ergebnisse der Studie nur bedingt aussagekräftig sind. Im Rahmen des betrachteten Stillstands-Szenarios wurden Grundwasseranstiege von bis zu einem Meter in Angermund für möglich gehalten. Diplom-Geologe Thomas Oertel, der bei der Stadtwerke Duisburg AG die hydrogeologische Situation bewertet, hält bei einer Reduzierung der Förderleistung "einen Anstieg der Grundwasserstände in Angermund und Rahm um mehrere Dezimeter für wahrscheinlich." Die Stadt Düsseldorf hat in Gesprächen mit dem Duisburger Wasserversorger angekündigt, erneut eine Studie in Auftrag geben zu wollen, die Aufschluss über die Auswirkungen der aktuellen Pläne liefern soll.
Neues Versorgungskonzept erfordert Anpassung der Förderleistung in Wittlaer
Eine Verringerung der Bockumer Förderkapazität hat zur Folge, dass die Leistung in Wittlaer erhöht werden muss. Thomas Oertel: "Die aktuellen Fördermengen in Wittlaer würden nicht ausreichen, die benötigten Verbrauchs-mengen abzudecken." Umgekehrt hatte die Stadtwerke Duisburg AG daher untersucht, ob die Förderleistung von Wittlaer nach Bockum verlagert werden könnte, also die Fördermenge in Wittlaer zu reduzieren. "Dies hat sich als nicht sinnvoll herausgestellt", so Oertel. "Das Wasserwerk Wittlaer ist moderner und verfügt über eine neuere Anlagentechnik. Mit Blick auf die Betriebssicherheit, die Wasserqualität und die Verfügbarkeit der Trinkwassergewinnung stellt eine Verlagerung nach Bockum daher keine Option dar." Ungeachtet dessen erfolgt zum jetzigen Zeitpunkt keine Einstellung des Betriebs in Bockum: Zum Erhalt der Förderfähigkeit der Brunnenanlagen und zur "Besicherung" des Wasserwerks Wittlaer sollen vielmehr rund drei Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr weiterhin gewonnen werden, um im Bedarfsfall wieder auf eine höhere Förderleistung zurückgreifen zu können.
Grundwasserstände unterliegen zahlreichen Einflussfaktoren
Die Grundwasserstände in den betroffenen Gebieten hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab: Industrieentnahmen, Bewässerungsbrunnen, öffentliche und private Versickerungsanlagen, versickernde Bäche sowie nicht zuletzt das Klima beeinflussen den Grundwasserstand. Auch die Entnahme durch andere Trinkwasserwerke sowie der Rhein als Vorfluter sind maßgeblich an der Wasserstandsentwicklung beteiligt.
Wann und ob Häuser durch ansteigendes Grundwasser gefährdet sind, hängt vor allem von der Lage und von der klimatischen Entwicklung im betroffenen Gebiet ab. Oertel: "Das Grundwasser fließt zum Rhein, so dass die Wasserstände von Osten nach Westen abnehmen. Darüber hinaus schwankt die Höhenlage des Grundwassers in Angermund klimatisch bedingt um bis zu drei Meter." Entscheidend ist daher eine Betrachtung des Grundwasserhöchststands unterhalb eines Gebäudes.
Derzeit führt das Duisburger Versorgungsunternehmen Gespräche mit den zu beteiligenden Behörden. Der Technik-Vorstand des Unternehmens, Dr. Edmund Baer, setzt in dem Verfahren auf Dialog: "Wir werden das Konzept mit den beteiligten Behörden diskutieren und die erforderlichen Analysen unterstützen. Für Anwohner in den entsprechenden Stadtteilen haben wir zudem eigens eine Internetseite eingerichtet, auf der wir aktuell über das Projekt informieren werden." Die Internetseite ist unter www.wasserfoerderung.stadtwerke-duisburg.de zu erreichen.
Wasserverbrauch seit den siebziger Jahren rückläufig
Der Wasserverbrauch in Duisburg ist seit den siebziger Jahren rückläufig. Betrug der Jahresverbrauch damals mehr als 50 Millionen Kubikmeter Wasser, verringerte sich dieser bis 2009 auf circa 34 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Auch in Zukunft werden weiter sinkende Verbrauchsmengen erwartet.
Die Stadtwerke Duisburg AG betreibt im Düsseldorfer Norden die Wasserwerke Bockum und Wittlaer, die die Duisburger Stadtteile südlich der Ruhr und Teile des Duisburger Westens mit Trinkwasser versorgen. Die Förderung wurde 1911 aufgenommen.


